In den letzten Tagen ist die Trennung des Erfolgs-Podcasts „Hoss & Hopf“ das Paradebeispiel für ein Phänomen, das im Business-Alltag oft verschwiegen wird: Das Scheitern an den eigenen psychologischen Abwehrmechanismen. „Ego-Probleme“ und „Mediendruck“ werden als Gründe genannt.
Was sich hier wie ein öffentliches Drama anfühlt, ist in Wahrheit ein klassisches Muster, das mir in meiner bisherigen Berufswelt öfters über den Weg gelaufen ist.
Es ist das Paradoxon vieler Gründer-Partnerschaften: Was als geniale Synergie beginnt, endet oft im Trümmerhaufen, weil die Beteiligten den wichtigsten Gegner im Raum unterschätzen – ihr eigenes Ego.
Dieter Lange bringt es brillant auf den Punkt: ERFOLG = TALENT + GLÜCK – EGO!
Wenn das Ego wächst, sinkt zwangsläufig der Erfolg – oder zumindest die Stabilität des Erfolgs. Warum ist das so? Und warum ist das Ego im Business so gefährlich?
Das Ego: Ein Geisteszustand, der den Erfolg sabotiert
Eckhart Tolle definiert das Ego als eine mentale Identifikation mit dem Verstand, den Gedanken und Konzepten wie sozialem Status oder Besitz. Es erschafft ein begrenztes, falsches Selbstbild, das ständig Vergleiche braucht.
Im Business-Alltag bedeutet das: Wir fangen an zu glauben: „Ich bin mein Erfolg“, „Ich bin meine Reichweite“ oder „Ich bin meine Meinung“.
In der Gründungsphase nutzen wir unser Ego oft als Antrieb. Doch sobald ein Projekt wie „Hoss & Hopf“ skaliert, wird dieses Ego zur Falle. Tolle lehrt uns, dass das Ego von zwei Dingen lebt, die eine Partnerschaft von innen heraus vergiften:
- Mangel & Vergleich:
Das Ego ist nie zufrieden. Es fragt ständig: „Bekomme ich genug Aufmerksamkeit? Werde ich besser dargestellt als mein Partner?“ Es lebt vom Gefühl, etwas zu vermissen. - Identifikation mit der „Form“:
Wenn Mediendruck entsteht, greift dieser die „Form“ (das öffentliche Bild) an. Da das Ego denkt, es sei dieses Bild, reagiert es mit Panik, Angriff oder Rückzug.
Wenn die Geschichte über uns selbst das Business übernimmt
Jedes Ego erzählt eine Geschichte. „Ich bin der Macher“, „Ich bin das Genie im Hintergrund“. Wenn zwei Partner unterschiedliche Geschichten über den gemeinsamen Erfolg erzählen, kollidiert das kollektive Ego.
Anstatt das wahre Selbst – das Bewusstsein und die Präsenz – walten zu lassen, übernehmen mentale Konstrukte das Steuer. Die Folge: Eine Trennung „ohne beidseitige Zustimmung“. Das ist das Ergebnis, wenn der Verstand versucht, ein Bild zu schützen, statt die Realität des Moments zu akzeptieren.
Was wir für unsere Projekte daraus lernen (Der Cooperbarns-Ansatz)
In meiner Beratung betone ich immer wieder: Wahre Führung beginnt mit dem Erwachen aus dieser Identifikation.
- Bewusstsein schaffen:
Wir müssen lernen, unsere Gedanken und Emotionen zu beobachten, ohne sie zu sein. Ein kritischer Kommentar in den sozialen Medien ist nur eine Form – er muss nicht mein inneres Gleichgewicht stören. - Die Formel anwenden:
Wenn du merkst, dass das Projekt stagniert oder die Stimmung kippt, schau auf die Formel. Ist das Talent noch da? Ja. Hatten wir Glück? Ja. Dann ist das Ego der Faktor, den wir abziehen müssen, um den Erfolg zu retten. - Präsenz statt Projektion:
Wer im „Jetzt“ handelt, statt in der Angst vor dem zukünftigen Imageverlust oder der Gier nach noch mehr Status, trifft klarere Entscheidungen.
Mein Fazit: Das Ego ist laut Tolle die Hauptquelle menschlichen Leidens – und im Business die Hauptursache für das Scheitern von Millionen-Projekten. Wahre Meisterschaft bedeutet, das Spiel zu spielen (Talent + Glück), aber sich nicht im Spiel zu verlieren (Ego).
Nur wer lernt, sein Ego zu beobachten und gegebenenfalls beiseite zu schieben, baut etwas, das den Druck der Öffentlichkeit und der Zeit überdauert.

